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AKTUELLES

Die gestaffelte Stagnationsbeprobung

Zur Beurteilung der Trinkwasserqualität hinsichtlich der Parameter Blei, Kupfer und Nickel beschreibt das Umweltbundesamt (UBA) in seiner im Bundesgesundheitsblatt 2004 veröffentlichten Empfehlung zwei Probenahmeverfahren. Es handelt sich einmal um die sogenannte Zufallsstichprobe, bei der die Probe unmittelbar nachÖffnen der  Zapfarmatur genommen wird. Die zweite Möglichkeit ist die „Gestaffelte Stagnationsprobe“.

Während die Zufallsstichprobe nur allgemeine Aussagen über Schwermetallbelastungen in einem Versorgungsgebiet erlaubt, können mit der gestaffelten Stagnationsprobe bereits Rückschlüsse auf Einflüsse durch die Hausinstallation  gezogen werden. Die UBA-Empfehlung beschreibt eindeutig die Vorgehensweise bei der Stagnationsprobe: Nach Ablaufenlassen des  Rohrleitungsinhalts bis zum Vorliegen des vom Versorger frisch bis zum Hausanschluss gelieferten Wassers wird die sogenannte S0-Probe entnommen. Diese Probe wird dann verglichen mit der S1-Probe (1 Liter nach vierstündiger Stagnation)und einem weiteren Liter (S2-Probe).

Die Zeitspanne kann aus Praktikabilitätsgründen auf zwei Stunden reduziert werden, das Ergebnis wird dann linear auf die vier Stunden hochgerechnet. Die S1-Probe ermöglicht also eine Aussage über den Einfluss der endständigen Zapfarmatur, die S2-Probe soll den Einfluss der Gebäudeinstallation wiedergeben.

Dieses Verfahren verursacht aufgrund des erforderlichen Zeitaufwands nicht unerhebliche Kosten. Zur Verbesserung ihrer Marktchancen durch Preisreduzierung verfahren manche Labore mittlerweise anders: Einem Mitarbeiter des zu untersuchenden Objekts wird aufgetragen, eine gewisse Zapfstelle für zwei oder auch vier Stunden für den Gebrauch zu sperren. Der daraufhin hinzukommende Probenehmer entnimmt dann unmittelbar die S1- und die S2-Probe. Danach erst wird die S0-Probe gezogen. Die Einhaltung der UBA-Empfehlung ist damit nicht gegeben. Außer diesem zuerst anscheinend nur formalen Mangel ergeben sich jedoch folgende Konsequenzen:
Wesentliche Teile der Probenahme (Spülung der Leitung vor Sperrung und Dokumentation des Sperrzeitpunkts) wurden nicht von Personen vorgenommen, die Bestandteil des Akkreditierungsverfahrens des Prüflabors sind. Das Analysenergebnis hat damit rechtlich denselben Stellenwert wie die Arbeit eines sicherlich auch fähigen Hobbychemikers in seinem Kellerlabor.

Wird die Stagnationszeit nicht exakt eingehalten, was bei einer Anreise bei den heutigen Verkehrsverhältnissen kaum zu realisieren ist, erfordert dies eine sorgfältige Umrechnung, welche dann auch dokumentiert sein muss. Ansonsten können sich insbesondere bei nur zweistündiger Stagnationszeit erhebliche Ungenauigkeiten ergeben, die wiederum eine Überschreitung von Grenzwerten vortäuschen.

Grundsätzlich ist im Falle einer Grenzwertüberschreitung der S2-Probe nach nur zweistündiger Stagnationszeit eine Ergebniskontrolle mit vierstündiger Stagnationszeit vorzunehmen. Da Planungsbüros und Fachhandwerker oft für den Bauherrn sehr kostenintensive Maßnahmen aus den Laborergebnissen herleiten, ergeben sich für diese entsprechende Prüfpflichten auf Plausibilität und Regelkonformität der Laborergebnisse, um nicht mit Schadensersatzansprüchen für faktisch überflüssige Baumaßnahmen konfrontiert zu werden.